FILM


50 Jahre "Drei Männer im Schnee"
Ein Jahrhundertfilm von Kurt Hoffmann
"Man kann postlagernd wohnen?" Nein, kann man natürlich nicht, Frau Kunkel. Aber man kann sich die Nachricht über den Gewinn eines Preisausschreibens postlagernd schicken lassen, wenn man Schlüter heißt und Eigentümer einer Werkskette ist, die eben jenes Preisausschreiben veranstaltet, wobei der erste und zweite Preis je ein Aufenthalt in einem Alpenhotel ist. Sie kennen das? Erich Kästner? Sie haben Recht. Dann wissen Sie auch, wie es weitergeht.
Dr. Fritz Hagedorn, ein arbeitsloser Werbefachmann, gewinnt den ersten Preis und soll sich vierzehn Tage lang verwöhnen lassen. Doch diesem ist das gar nicht recht, denn er liegt seiner Mutter auf der Tasche und das ist ein unhaltbarer Zustand für den ehrgeizigen jungen Mann.
Der zweite Preisträger, ein Herr Schulze, der postlagernd wohnt, ist natürlich Geheimrat Schlüter der Eigentümer der Putz-Blank-Werke. Als er erfährt, dass er mit seinem Werbetext den zweiten Preis gemacht hat, kleidet sich der Sonderling neu, oder besser alt, ein, um als vermeintlicher Armer ins Alpenhotel zu reisen. Der "olle Schlüter", wie er gemeinhin genannt wird, will die Reaktion der vornehmen Welt auf seine ärmliche Erscheinung beobachten, "er will die Menschen studieren".
Seine Tochter versucht dieses Experiment zu unterwandern und informiert das Hotel über Schlüters Eigenarten. Doch das Gespräch wird unterbrochen, bevor sie den Namen des verkleideten Millionärs nennen kann. Und unweigerlich nehmen das Schicksal und die Verwechslungskomödie ihren Lauf.

Kurt Hoffmanns Meisterstück einer Literaturverfilmung aus dem Jahre 1955, in dem noch der Autor Erich Kästner selbst der Erzähler ist, berührt durch ausgewogenen Humor, dezent eingesetzte Gesellschaftskritik und hervorragende schauspielerische Leistungen seiner Darsteller. Nicht nur Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt liefern beeindruckende Szenen, auch die junge Nicole Heesters, Tochter des beliebten Altmeisters Johannes, brilliert, ebenso wie die fabelhafte "Kunkel", nach allen Regeln der Kunst verkörpert von der unvergesslichen Margarete Haagen.

Seit exakt einem halben Jahrhundert begeistert diese Version von "Drei Männer im Schnee" Zuschauer aller Altersklassen und sollte daher baldmöglichst auf der kleinen Silberscheibe zu einem vernünftigen Preis erscheinen.