Ich war immer ein Profi. Halbe Sachen gibt es bei mir nicht.
Disziplin ist oberstes Gebot, sonst geht der Beruf vor die Hunde. Schon
immer wusste ich, was es bedeutete, dabei zu sein, und welche Verantwortung
wir tragen, ganz egal welchem Teil des Business wir angehören, wir
Entertainer.
Als ich beschloss, jene berühmten Bretter zu betreten, die für so viele die Welt bedeuten, beherrschte ich meinen Shakespeare, meinen Schiller, meinen Shaw, und ich beherrschte, von der ersten Minute an, in der ich auf die Bühne trat, bis zum letzten Schritt meines Abgangs, die Frauen.
Immer wusste ich, was es heißt, Macht zu besitzen, ich, der jugendliche Held, der schöne Mann, der Schwarm. Und als der Film mich holte, war ich vorbereitet, unsterblich gemacht zu werden.
Schönheit und Ästhetik gehen mir über alles, ich lebe davon. Eine schöne Frau, die vor laufender Kamera in meine Arme sinkt. Eine Totale auf mein Gesicht, wenn ich sie küsse. Ein Kinoplakat mit meinem markanten Profil.
Meine Frau hat natürlich nichts mit dem Geschäft zu tun, und meine Kinder ebenso wenig. Ich halte sie von allem Ruhm und Rummel fern. Ich bin seit zehn Jahren verheiratet. Mein Name ist sauber, weil ich ihn niemals beschmutzen ließ. Ich war, wie gesagt, immer schon ein Profi.
Jetzt drehen wir wieder. Eine Liebeskomödie. Die junge Frau, die mir zugeteilt wurde, spricht mich manchmal zwischen zwei Aufnahmen einfach an. Ich werde ihr sagen müssen, daß sich das nicht schickt. Wir haben zu arbeiten.
Vorhin hat sie in der Kulisse gestanden und zu mir herüber gesehen, als ich meinen großen Monolog sprach, und ich habe gespürt, daß mein rechtes Augenlid leicht zuckte. Ich werde ihr sagen, daß wir alle Profis sind. Das erklärt alles.
Sie hat graugrüne Augen, die Regenbogenhaut ist marmoriert, das habe ich deutlich gesehen, als wir die Versöhnungsszene drehten. Das Schwarze ihrer Pupille spiegelte, und ich konnte darin die Umrisse meiner Lippen sehen, verschwommen und milchig. Sie hat mir auf den Mund gesehen, als ich mich ihr näherte. Ich werde ihr sagen müssen, daß sie das unterlassen soll. Um ein Haar hätte ich meine Mundwinkel verzogen, und was wäre dann aus der Totale geworden.
Morgens grüßt sie mich freundlich, wenn wir uns im Flur begegnen. Sie ist immer dann da, wenn ich ankomme, obwohl ich bereits mehrmals die Uhrzeit meines Eintreffens variiert habe. Doch was sollte ich ihr sagen?
Vorhin habe ich sie geküsst. Ich meine, ich hab es wirklich getan. Ich mußte es einfach tun. Das zarte lebendige Rot ihrer Lippen war leicht gekräuselt und voller Erwartung. Sie ist eine gute Schauspielerin. Sie ist ein Profi.
Als ich beschloss, jene berühmten Bretter zu betreten, die für so viele die Welt bedeuten, beherrschte ich meinen Shakespeare, meinen Schiller, meinen Shaw, und ich beherrschte, von der ersten Minute an, in der ich auf die Bühne trat, bis zum letzten Schritt meines Abgangs, die Frauen.
Immer wusste ich, was es heißt, Macht zu besitzen, ich, der jugendliche Held, der schöne Mann, der Schwarm. Und als der Film mich holte, war ich vorbereitet, unsterblich gemacht zu werden.
Schönheit und Ästhetik gehen mir über alles, ich lebe davon. Eine schöne Frau, die vor laufender Kamera in meine Arme sinkt. Eine Totale auf mein Gesicht, wenn ich sie küsse. Ein Kinoplakat mit meinem markanten Profil.
Meine Frau hat natürlich nichts mit dem Geschäft zu tun, und meine Kinder ebenso wenig. Ich halte sie von allem Ruhm und Rummel fern. Ich bin seit zehn Jahren verheiratet. Mein Name ist sauber, weil ich ihn niemals beschmutzen ließ. Ich war, wie gesagt, immer schon ein Profi.
Jetzt drehen wir wieder. Eine Liebeskomödie. Die junge Frau, die mir zugeteilt wurde, spricht mich manchmal zwischen zwei Aufnahmen einfach an. Ich werde ihr sagen müssen, daß sich das nicht schickt. Wir haben zu arbeiten.
Vorhin hat sie in der Kulisse gestanden und zu mir herüber gesehen, als ich meinen großen Monolog sprach, und ich habe gespürt, daß mein rechtes Augenlid leicht zuckte. Ich werde ihr sagen, daß wir alle Profis sind. Das erklärt alles.
Sie hat graugrüne Augen, die Regenbogenhaut ist marmoriert, das habe ich deutlich gesehen, als wir die Versöhnungsszene drehten. Das Schwarze ihrer Pupille spiegelte, und ich konnte darin die Umrisse meiner Lippen sehen, verschwommen und milchig. Sie hat mir auf den Mund gesehen, als ich mich ihr näherte. Ich werde ihr sagen müssen, daß sie das unterlassen soll. Um ein Haar hätte ich meine Mundwinkel verzogen, und was wäre dann aus der Totale geworden.
Morgens grüßt sie mich freundlich, wenn wir uns im Flur begegnen. Sie ist immer dann da, wenn ich ankomme, obwohl ich bereits mehrmals die Uhrzeit meines Eintreffens variiert habe. Doch was sollte ich ihr sagen?
Vorhin habe ich sie geküsst. Ich meine, ich hab es wirklich getan. Ich mußte es einfach tun. Das zarte lebendige Rot ihrer Lippen war leicht gekräuselt und voller Erwartung. Sie ist eine gute Schauspielerin. Sie ist ein Profi.


