Herr Dr. Doehn, Sie sind der Inhaber des Antiquariats
in der Großen Seestraße in Frankfurt. Mit welchem Adjektiv,
glauben Sie, könnte man am Treffendsten Ihr persönliches Verhältnis
zum Buch beschreiben?
Besonders.
Wie wichtig ist das Buch im Zeitalter der elektronischen Medien? Wie beurteilen Sie die Vereinbarkeit von Internet und Buch?
Der flimmernde Bildschirm treibt die Menschen zu Handfestem eher zurück als davon weg. Das Internet ist ein notwendiges Übel. Man hofft auf einschneidende Fortschritte.
Naturgemäß nehmen Bücher in einem Antiquariat einen großen Raum ein. Ordnen Sie dem Buch auch eine besondere stoffliche Qualität zu?
Büchertürme können bedrohliche Seiten annehmen. Gleichwohl ist da ein dynamisches Moment. Bücher fluten heran, verweilen flüchtig, erheischen Aufmerksamkeit, die man meist nur unwillig aufbringt. Meine Assoziation ist mithin eine zerklüftete Meeresküste - in diesem Bild sind beide Momente aufgehoben.
Derzeit ist wieder Buchmesse in der Stadt. Werden Sie sich vor Ort einen Überblick über die Neuerscheinungen verschaffen?
Ich werde hingehen. Ein Überblick dort ist mir bislang noch nie zuteil geworden. Neuerscheinungen sind ohnehin von geringem Interesse. Ich gehe gern zur Buchmesse, um mehr oder weniger ziellos herumzustreifen; und zu sehen, zuzuhören, Eindrücke zu sammeln.
Auf dem Büchermarkt wird nach wie vor geklagt, obwohl, nach Einschätzung von Experten, die Lage weniger bedrohlich sein soll als anderswo. Wie ist Ihre Meinung?
Wichtig ist, dass man seine Aufgabe als Anlaufstelle für die Bücherfreunde ernst nimmt, dass man sich Zeit nimmt für ein Schwätzchen und dass man einen guten eigenen Geschmack hat, den man niemandem aufdrücken will. Außerdem muss man ehrlich seine Meinung über Bücher sagen und jedem das empfehlen, was zu ihr oder ihm passt.
Die Lage ist immer bedrohlich, wenn der Umsatz rückläufig ist. Wichtig ist, herauszufinden, ob das wirklich strukturell bedingt ist, oder ob man fantasielos weiterwurstelt, statt auf Zeichen zu achten und Konsequenzen zu ziehen.
Und zum Schluss eine Kinderfrage: Wir hier in der Redaktion haben noch von unseren Eltern gelernt, dass man Bücher niemals wegwirft. Was halten Sie davon?
Viel!!! Es gibt viele Möglichkeiten, auch solche Bücher weiterzuverschenken, die niemand, nicht mal Oxfam haben will. Da sind die Gefängnisbibliotheken, Altenheime, Kirchenbasare, Flohmärkte. Es stimmt einfach nicht, dass ein Buch absolut wertlos ist. Es sei, die Hälfte fehlt bereits oder so. Irgendwo wartet jemand genau auf dieses Buch, vielleicht hat er keinen PC, kann also nicht bei Google suchen, vielleicht weiß er oder sie nicht einmal, dass dies das Buch ist, das in ihrem Leben etwas oder gar alles verändern wird.
Wie oft kommen die Leute und jammern darüber, was sie in ihrem Unverstand alles weggeworfen haben - meist freilich nur deshalb, weil es jetzt plötzlich wieder was wert ist. Sei's drum. Bücher sind wie Kunst - wer würde seinen Chagall wegwerfen?
Haben Sie vielen Dank dafür, dass Sie uns Zeit und Worte geschenkt haben!
www.antiquariat-doehn.de
Besonders.
Wie wichtig ist das Buch im Zeitalter der elektronischen Medien? Wie beurteilen Sie die Vereinbarkeit von Internet und Buch?
Der flimmernde Bildschirm treibt die Menschen zu Handfestem eher zurück als davon weg. Das Internet ist ein notwendiges Übel. Man hofft auf einschneidende Fortschritte.
Naturgemäß nehmen Bücher in einem Antiquariat einen großen Raum ein. Ordnen Sie dem Buch auch eine besondere stoffliche Qualität zu?
Büchertürme können bedrohliche Seiten annehmen. Gleichwohl ist da ein dynamisches Moment. Bücher fluten heran, verweilen flüchtig, erheischen Aufmerksamkeit, die man meist nur unwillig aufbringt. Meine Assoziation ist mithin eine zerklüftete Meeresküste - in diesem Bild sind beide Momente aufgehoben.
Derzeit ist wieder Buchmesse in der Stadt. Werden Sie sich vor Ort einen Überblick über die Neuerscheinungen verschaffen?
Ich werde hingehen. Ein Überblick dort ist mir bislang noch nie zuteil geworden. Neuerscheinungen sind ohnehin von geringem Interesse. Ich gehe gern zur Buchmesse, um mehr oder weniger ziellos herumzustreifen; und zu sehen, zuzuhören, Eindrücke zu sammeln.
Auf dem Büchermarkt wird nach wie vor geklagt, obwohl, nach Einschätzung von Experten, die Lage weniger bedrohlich sein soll als anderswo. Wie ist Ihre Meinung?
Wichtig ist, dass man seine Aufgabe als Anlaufstelle für die Bücherfreunde ernst nimmt, dass man sich Zeit nimmt für ein Schwätzchen und dass man einen guten eigenen Geschmack hat, den man niemandem aufdrücken will. Außerdem muss man ehrlich seine Meinung über Bücher sagen und jedem das empfehlen, was zu ihr oder ihm passt.
Die Lage ist immer bedrohlich, wenn der Umsatz rückläufig ist. Wichtig ist, herauszufinden, ob das wirklich strukturell bedingt ist, oder ob man fantasielos weiterwurstelt, statt auf Zeichen zu achten und Konsequenzen zu ziehen.
Und zum Schluss eine Kinderfrage: Wir hier in der Redaktion haben noch von unseren Eltern gelernt, dass man Bücher niemals wegwirft. Was halten Sie davon?
Viel!!! Es gibt viele Möglichkeiten, auch solche Bücher weiterzuverschenken, die niemand, nicht mal Oxfam haben will. Da sind die Gefängnisbibliotheken, Altenheime, Kirchenbasare, Flohmärkte. Es stimmt einfach nicht, dass ein Buch absolut wertlos ist. Es sei, die Hälfte fehlt bereits oder so. Irgendwo wartet jemand genau auf dieses Buch, vielleicht hat er keinen PC, kann also nicht bei Google suchen, vielleicht weiß er oder sie nicht einmal, dass dies das Buch ist, das in ihrem Leben etwas oder gar alles verändern wird.
Wie oft kommen die Leute und jammern darüber, was sie in ihrem Unverstand alles weggeworfen haben - meist freilich nur deshalb, weil es jetzt plötzlich wieder was wert ist. Sei's drum. Bücher sind wie Kunst - wer würde seinen Chagall wegwerfen?
Haben Sie vielen Dank dafür, dass Sie uns Zeit und Worte geschenkt haben!
www.antiquariat-doehn.de


