Haben Sie gesehen? Dieter Hildebrandt hat wiederum ein
Buch verfasst. Auf der Buchmesse wurde es vorgestellt, und vom Schutzumschlag
lächelt der Autor sie freundlich an. Haben Sie irgendwelche Erwartungen
an das Buch? Vergessen Sie sie bitte sofort. Hier wird Sie überraschen,
wie überraschend dieser Mann sein kann. Worum es geht, wollen Sie wissen?
Tja. Wenn das so simpel wäre, dann wäre es wohl nicht Hildebrandt,
nicht wahr?
Zunächst einmal, wenn Sie das Buch aufschlagen, wird Ihnen auffallen, dass es ums Reisen geht. Von Kapitelüberschrift zu Kapitelüberschrift hetzt hier jemand mit dem Koffer in der Hand über die Seiten. Wenn Sie also gewohnt waren, dass der Meister der spitzen Zunge ruhig vor Ihnen steht und bedächtig eine paar harte Worte spricht, werden Sie hier erst einmal nicht wissen, wo Sie hinschauen sollen: Bühne ade, wir sind unterwegs.
Wir starten, wie sollte es anders sein, Sie kennen das, an einem Bahnhof. Es ist der Münchener Hauptbahnhof. Dann geht die Reise kreuz und quer durchs ganze Land, wobei die Himmelsrichtungen endlich mal keine Rolle spielen. Und gleich zu Beginn meint man, das Gleis von Tucholsky zu Woody Allen zu entdecken: Noch bevor wir den Bahnhof verlassen, beginnen wir mit einem gut erzählten jüdischen Witz. Dann erfahren wir, dass auch Hildebrandt Probleme mit Taxifahrern hat, als Prominenter Autogramme geben muss, und dass Namen nie Schall und Rauch sind, besonders nicht der eigene.
Es gibt statt Klößen in Halbtrauer zwei von sechs schwarzgegrillten Nürnbergern, die etwas weniger Benzpyren liefern - das Bordrestaurant im Zug hat sich selbst übertroffen. Schlamassel ist ein zu freundliches Wort für das, worin man gerät, wenn man sich auf die Bahn verläst, mal ganz absehen von den Preisgestaltern, die undichte Stellen aufweisen.
Wir erfahren auch, was wir erwarten aber nicht von der Person Hildebrandts, sondern von der Bahn, den Bordrestaurant, dem Personal. Wir haben es selbst erlebt, und hier spricht uns jemand aus der Seele, endlich. Zwischendurch driften wir gern immer wieder in die sprachlichen Karikaturen ab, die Hildebrandt zu zeichnen versteht.
Also eine Reisebiographie? Nicht das. Sie sollen doch nichts erwarten. Sie kriegen hier alles. Knallhartes Kabarett zum Lesen, geschriebene Bretter die die Welt bedeuten oder auch nicht, Politiker und immer wieder Politiker, und Termine hier und da, Reisebeschreibungen, Familiäres, Celebrity, die Kollegen, Pannen, Erfolge, alles, jawohl. Nennen wir es das Leben, und weil wir es nicht kongenial können, sagen wir Ihnen: Lesen Sie es besser selbst!
Dieser Mann muss nicht betonen, dass er ausgebucht ist. Wir erwarten es. Und wenn wir mit unserer Erwartung hier mal goldrichtig liegen, ist es Anlass zu besonderer Freude.
Dieter Hildebrandt: Ausgebucht. Blessing 2004
Zunächst einmal, wenn Sie das Buch aufschlagen, wird Ihnen auffallen, dass es ums Reisen geht. Von Kapitelüberschrift zu Kapitelüberschrift hetzt hier jemand mit dem Koffer in der Hand über die Seiten. Wenn Sie also gewohnt waren, dass der Meister der spitzen Zunge ruhig vor Ihnen steht und bedächtig eine paar harte Worte spricht, werden Sie hier erst einmal nicht wissen, wo Sie hinschauen sollen: Bühne ade, wir sind unterwegs.
Wir starten, wie sollte es anders sein, Sie kennen das, an einem Bahnhof. Es ist der Münchener Hauptbahnhof. Dann geht die Reise kreuz und quer durchs ganze Land, wobei die Himmelsrichtungen endlich mal keine Rolle spielen. Und gleich zu Beginn meint man, das Gleis von Tucholsky zu Woody Allen zu entdecken: Noch bevor wir den Bahnhof verlassen, beginnen wir mit einem gut erzählten jüdischen Witz. Dann erfahren wir, dass auch Hildebrandt Probleme mit Taxifahrern hat, als Prominenter Autogramme geben muss, und dass Namen nie Schall und Rauch sind, besonders nicht der eigene.
Es gibt statt Klößen in Halbtrauer zwei von sechs schwarzgegrillten Nürnbergern, die etwas weniger Benzpyren liefern - das Bordrestaurant im Zug hat sich selbst übertroffen. Schlamassel ist ein zu freundliches Wort für das, worin man gerät, wenn man sich auf die Bahn verläst, mal ganz absehen von den Preisgestaltern, die undichte Stellen aufweisen.
Wir erfahren auch, was wir erwarten aber nicht von der Person Hildebrandts, sondern von der Bahn, den Bordrestaurant, dem Personal. Wir haben es selbst erlebt, und hier spricht uns jemand aus der Seele, endlich. Zwischendurch driften wir gern immer wieder in die sprachlichen Karikaturen ab, die Hildebrandt zu zeichnen versteht.
Also eine Reisebiographie? Nicht das. Sie sollen doch nichts erwarten. Sie kriegen hier alles. Knallhartes Kabarett zum Lesen, geschriebene Bretter die die Welt bedeuten oder auch nicht, Politiker und immer wieder Politiker, und Termine hier und da, Reisebeschreibungen, Familiäres, Celebrity, die Kollegen, Pannen, Erfolge, alles, jawohl. Nennen wir es das Leben, und weil wir es nicht kongenial können, sagen wir Ihnen: Lesen Sie es besser selbst!
Dieser Mann muss nicht betonen, dass er ausgebucht ist. Wir erwarten es. Und wenn wir mit unserer Erwartung hier mal goldrichtig liegen, ist es Anlass zu besonderer Freude.
Dieter Hildebrandt: Ausgebucht. Blessing 2004


